UX im Spannungsfeld von KI, Vertrauen und Regulierung
User Experience (UX) wurde lange als Design-Thema betrachtet. Heute – spätestens seit 2025 – ist klar: UX ist eine strategische Produktentscheidung. Denn digitale Erlebnisse entstehen nicht nur durch schönes Design, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Künstlicher Intelligenz (KI) und gesetzlichen Vorgaben. Wer UX gestaltet, beeinflusst damit Umsatz, Vertrauen – und Risiken.
Internationale Forschung zeigt: Gute UX bedeutet heute nicht mehr möglichst viele neue Funktionen, sondern Klarheit und Verständlichkeit. NutzerInnen wollen wissen, warum ihnen etwas angezeigt wird und wie sie Entscheidungen beeinflussen können. Gerade bei KI-gestützter Personalisierung entsteht Vertrauen nicht durch „menschlich wirkende“ Systeme, sondern durch Transparenz und nachvollziehbare Logik.
Für Produktteams entsteht hier ein Zielkonflikt: Mehr Personalisierung steigert Relevanz und Conversion – kann aber gleichzeitig Datenschutz- oder Regulierungsrisiken erhöhen. UX-Entscheidungen sind deshalb nicht nur Designfragen, sondern betreffen Strategie, Risikoabwägung und Priorisierung.
Gleichzeitig bleibt UX ein klarer Performance-Faktor. Studien des Baymard Institute zeigen, dass viele Kaufabbrüche im Checkout auf vermeidbare Reibung zurückzuführen sind. Wenn Login, Bezahlung und Support gut zusammenspielen, sinken nicht nur Abbruchquoten, sondern auch Supportkosten. UX wirkt damit direkt auf Umsatz und Effizienz.
International setzen Märkte unterschiedliche Schwerpunkte. In vielen asiatischen Ländern steht Geschwindigkeit und Komfort im Vordergrund. Super-Apps bündeln Kommunikation, Bezahlung und Einkauf in einer Anwendung. Europa hingegen legt stärkeren Fokus auf Regulierung und Transparenz. Mit dem EU AI Act gelten seit 2025 verbindliche Regeln für den Einsatz von KI. Zusätzlich verpflichtet der European Accessibility Act Unternehmen dazu, digitale Produkte barrierefrei zu gestalten.
UX wird damit zur Frage von Governance – also klar geregelten Verantwortlichkeiten und Entscheidungsstrukturen im Unternehmen. Produktentscheidungen betreffen heute nicht nur Nutzerfreundlichkeit, sondern auch Compliance, Markenvertrauen und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.
Gute UX ist 2026 kein reines Designprojekt mehr. Sie ist ein strategischer Rahmen für Produktentscheidungen. Wer UX ernst nimmt, gestaltet nicht nur Nutzerführung – sondern Verantwortung.
Quellen
Nielsen Norman Group. (2025). The UX Reset: Prepare for 2025 and Beyond.
https://www.nngroup.com/articles/ux-reset-2025/
Nielsen Norman Group. (2025). Prioritize Smarts over Sentience to Increase Trust with AI.
https://www.nngroup.com/articles/smarts-emotion-trust-ai/
Baymard Institute. (2025). Checkout usability research.
https://baymard.com/research/checkout-usability
European Commission. (2025). EU Artificial Intelligence Act.
https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/regulatory-framework-ai
European Commission. (2025). European Accessibility Act.
https://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=1202